Sonntag, 23. November 2014

Statement zu den bisherigen Quartalszahlen



Nachdem die meisten Unternehmen aus dem Depot ihre Quartalszahlen veröffentlicht haben, kann man wohl als Fazit ziehen, dass trotz größtenteils guter Zahlen die Mehrzahl der Aktien aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr positiv darauf reagiert hat. Nur Adler Modemärkte und Technotrans reagierten sofort am Tag der Zahlen mit einem Up Gap und 3-5% Kursplus. Sprechen also die ausbleibenden oder leicht negativen Reaktionen für eine grundsätzliche Marktschwäche (der Dax sieht nicht danach aus), eine Nebenwerteschwäche, oder waren einfach die Erwartungen mancher Anleger zu hoch? An den Bewertungen kann es bei den Depotwerten nicht liegen, denn die sind im Marktvergleich und Branchenvergleich weiterhin günstig.
Wenn ich mir beispielsweise die Reaktionen beim Kurs und in Aktienforen auf die Zahlen von Francotyp Postalia anschaue, dann waren wohl die Erwartungen der Anleger zu hoch. Das dürfte daran liegen, dass der Vorstand nun endgültig die Jahresprognose kassiert hat, was mir aber schon nach den Halbjahreszahlen klar war und im Grunde auch im Halbjahres-Finanzbericht und durch Aussagen der IR in den Aktienforen vorauszusehen war. Dass die Q3 Zahlen dennoch leicht über meinen Prognosen lagen und es deutliches Gewinnwachstum gab, scheint leider aktuell dem Markt egal zu sein. Offenbar waren ein paar Trader investiert, die auf bessere Zahlen spekulierten und am Freitag nach den Zahlen verkauften. Hätte auch schlimmer für den Kurs ausgehen können, aber die knapp 100.000 verkauften Aktien wurden bei knapp 4,0 € gerne aufgesammelt. Bewertungsmäßig bleibt FP für mich sehr aussichtsreich. Auch ohne Umsatzwachstum im nächsten Jahr sollte man ein EPS von 40-42 Cents allein durch die Kostenersparnis in Birkenwerder und eine leichte Verbesserung des Zinsergebnisses erreichen. Ich geh aber von 2-4% Umsatzwachstum aus, was zu einem EPS von 48-50 Cents führen würde. Je nachdem ergibt sich ein KGV zwischen 7,5 und 9,5. Man wird aber wohl weiterhin Geduld mitbringen müssen, bis nach den Q1 Zahlen wieder klar ist welche Richtung das Unternehmen einschlägt. Mein Tipp: Die denkbaren Verkäufe enttäuschter Aktionäre nutzen, um im Bereich 3,85-3,95 FP Aktien aufzusammeln und ein Jahr liegen lassen! Denn so sehr die leichte Prognosereduzierung manchen Anleger überrascht haben mag, muss man sich doch nur die Frage stellen, welche andere deutsche Aktie ein solch niedriges KGV bei 10-20% Gewinnwachstum zu bieten hat? Zumal FP durch steigenden Anteil wiederkehrender Umsätze ganz gut abgesichert ist und der Vorstand eine erneute Dividendenausschüttung angekündigt hat. In diesem Jahr waren es 8 Cents pro Aktie. Im Frühjahr 2015 erwarte ich 10 Cents pro Aktie.

Andere Aktien wie Grammer oder GFT haben dann doch noch verspätet auf die guten Zahlen reagiert. Grammer konnte trotz der konjunkturellen Unsicherheiten und Anlaufkosten den Überschuss um 8% steigern. Auch Grammer ist mit KGV von etwa 10 für 2014 und 8-9 für 2015 bewertet. GFT Technologies konnte den Umsatz sogar um 38% und den Überschuss um 65% steigern und damit das beeindruckende Wachstum fortsetzen. Zudem stimmt auch der Ausblick auf das nächste Jahr. Dass diese Aktie mit einem immer noch günstigen KGV von 12-13 etwas höher bewertet, sollte nicht überraschen. Zusätzlich nimmt die Fantasie möglicherweise ab März in den TecDax aufzurücken, immer konkretere Formen an.
Sehr gute Zahlen konnte auch Ecotel vermelden, der vermutlich günstigste Telekomtitel hierzulande. Unter folgendem Link habe ich eine Bewertung der Zahlen vorgenommen. Ecotel Quartalszahlen

Enttäuscht haben mich bisher nur die Zahlen von RIB, so dass ich die Aktie sofort abgestoßen habe, sowie Paragon, wobei sich der Vorstand immer noch auf diverse Investitionen und Anlaufkosten beruft, die die Zahlen belasteten, und sich somit das starke Wachstum erst ab dem kommenden Jahr zeigen soll. Ich habe daraufhin (und aufgrund angeschlagenem Chart) Teilverkäufe vorgenommen, weil ich kurzfristig nicht von steigenden Kursen ausgehe. Paragon bleibt aber eine interessante Spekulation für das nächste Jahr. Spätere Aufstockung der Position daher nicht ausgeschlossen.

IVUs Zahlen kommen wohl erst kommende Woche direkt vor/mit dem Eigenkapitalforum, wobei die Zahlen natürlich immer von der starken Saisonalität bei IVU betroffen sind. Dort wird der komplette Gewinn durch das 4.Quartal erwirtschaftet. Im Vorfeld gab es jedoch bereits zwei interessante, positive Nachrichten. Zunächst vermeldete man per Pressemitteilung (warum nicht per Adhoc lieber Vorstand?) einen Großauftrag aus dem Großraum München. Und dann ging man kürzlich eine interessante Kooperation in Vietnam ein, die das Wachstum in Südostasien unterstützen soll. Informationen dazu muss man sich leider auf der IVU Homepage selbst besorgen und Details beim Vorstand erfragen. In diesem Punkt hat IVU sicher noch Potenzial. Dennoch bleibt die Aktie für mich das Schwergewicht überhaupt, da die Bewertung im Vergleich zu den Unternehmensperspektiven einfach viel zu gering ist. Der Chart zeigt einen soliden 2jährigen Aufwärtstrend, und bald dürfte auch erstmals Dividendenfantasie bei der Aktie aufkommen.
Bei Triplan und KPS wird es erst im Dezember und Januar Geschäftszahlen geben, dann aber bereits die Daten für das Geschäftsjahr 2013/14. Dazu dann hier mehr wenn es soweit ist. Technisch hat sich KPS in der letzten Woche gut erholt und generierte dann starke prozyklische Kaufsignale nach dem Bruch des Abwärtstrends und des kurzfristigen Verlaufshochs. So kann man jetzt von einem kurzfristigen Aufwärtstrend sprechen.

Fazit: Viel Licht und ein wenig Schatten bei den Geschäftszahlen der Depotwerte. Leider konnten einige der Nebenwerte vom starken Dax Anstieg der letzten Tage nicht profitieren. Die Aufmerksamkeit der Anleger fällt an solchen Tagen naturgemäß auf die BlueChips. Deshalb stellt mich die Performence des wikifolios in den letzten 2-3 Monaten nicht wirklich zufrieden, auch wenn es weiterhin den Dax klar outperformed. Ziel muss es sein, noch in diesem Jahr endlich ein neues highwater mark zu erzielen. Dafür würde ein Anstieg von etwa 1,5% ausreichen. Möglicherweise bringt das Eigenkapitalforum in Frankfurt in der kommenden Woche Impulse bei dem einen oder anderen Depotwert. Hier kann man sich den Terminplan der Präsentationen anschauen.


Falls jemand zu einem der Werte eine genauere Analyse der Zahlen möchte, sagt bitte Bescheid! Das heute sollte nur ein oberflächlicher Überblick sein. Konkrete Details gibt es von mir meist eher im ARIVA-Forum oder auf Nachfrage.

katjuscha

Donnerstag, 20. November 2014

Nächstes Update am Sonntagabend !

Hallo Investoren und sonstige interessierte Anleger!

ich werde am Sonntagabend das nächste Update vornehmen und dort auf die Berichtssaison eingehen, nachdem mehr als zwei Drittel der Depotwerte ihre Zahlen veröffentlicht haben. Im großen und ganzen sind die Quartalszahlen sehr gut ausgefallen, vor allem in Anbetracht der Verunsicherung zuvor durch die Ukrainekrise und die anschließend schlechter ausfallenden Konjunkturbarometer (ZEW, IFO etc.).

Mehr dazu dann Sonntag. Morgen kommen erstmal noch die Zahlen von Francotyp Postalia, von denen man nicht viel erwarten sollte. Habe unter folgendem Link schon etwas in aller Kürze geschrieben. FPH Erwartungen


katjuscha

Montag, 3. November 2014

Ausblick auf die Berichtssaison

Vorab … Ich wurde gefragt, ob sich die hohe Cashquote im wikifolio „spekulativ“ verringern wird. Natürlich wird sie das. Das Problem der letzten Tage war, dass ich für etwas risikoreichere Derivate-Spekulationen erst noch eine Beruhigung der Märkte abwarten wollte. Es ist nicht so meins, nach starken, kurzfristigen Anstiegen noch prozyklisch long oder antizyklisch spekulativ short zu gehen. Wenn sich das Bild im Dax etwas beruhigt hat, und sich Signale bei einzelnen Werten ergeben, wird sich die Cashquote stark verringern. Ziel ist es auch dort, natürlich um die 90% anzulegen. Sonst verfehlt ja ein Depot seinen Zweck.

Nun zur beginnenden Berichtssaison. Zwei meiner bisher größten Depotpositionen haben bereits ihre Q3 Daten veröffentlicht. Während GFT zwar am 6.November erst den Finanzbericht veröffentlicht, haben die vorläufigen Zahlen aber mal wieder sehr überzeugt. Der Vorstand erhöhte folgerichtig seine Prognosen. Ich habe daraufhin meine Position weiter erhöht und würde das bei leicht nachgebenden Kursen auch weiter tun, da GFT mit einem KGV15 von 12 für ein echtes Wachstumsunternehmen nach wie vor günstig bewertet erscheint. Zudem dürfte der Kurs in den nächsten 3-4 Monaten von der Fantasie profitieren, erstens in den Tecdax aufsteigen zu können und zweitens das Kerngeschäft durch den Verkauf des margenschwachen emagine-Segments zu stärken.

RIB Software hingegen hat mich nicht mehr überzeugt. Für mich verwunderlich haben verschiedene Analysten auf die schwachen Quartalszahlen nicht reagiert, sondern ihre Kursziele beibehalten. Aus meiner Sicht konnte RIB seine Jahresprognose nur aufgrund sehr hoher Sonderfaktoren erhöhen. Rechnet man diese Sondereffekte heraus, war auch das 3.Quartal wieder unter allen Erwartungen. Selbst wenn man aufgrund der guten Auftragslage im nächsten Jahr mit 25% Umsatzwachstum rechnet, erscheint mir die Bewertung nun nicht mehr so attraktiv wie noch vor einigen Wochen. Die Konsensschätzungen der Analysten für das kommende Jahr sind noch viel zu hoch. Das kann den Kurs in einigen Monaten belasten. Mehr könnt ihr dazu der Statistiktabelle entnehmen oder im Finanzforum ariva.de nachlesen, in denen ich meine Skepsis detailliert erläutert habe. RIB empfinde ich allerdings weiter als Wachstumsaktie. Eine Wiedereinstieg zu einem späteren Zeitpunkt ist nicht ausgeschlossen.

In den nächsten Wochen werden dann alle weiteren Unternehmen in meinem wikifolio ihre Zahlen veröffentlichen. Spannend dürften die Q3 Zahlen von Francotyp Postalia werden, da das Unternehmen im 2.Quartal leicht enttäuschte, was aber zum Großteil an Währungsverlusten lag. Da der Euro sich zuletzt aber günstig entwickelte, sollten in Q3 kaum Währungsverluste angefallen sein und ab Q4 dann sogar positive Effekte entstehen. Organisches Wachstum darf man wohl auch erst ab dem 4.Quartal erwarten, zumal Q4 und Q1 die saisonal stärksten bei FP sind. Zusätzliche Kosteneinsparungen werden dann ab Q1/15 die operative Marge erhöhen. Insofern sollte man von den Quartalszahlen in zwei Wochen nicht allzu viel erwarten und eher auf den Ausblick achten. 

Am 14.November melden gleich vier meiner Depotwerte ihre Quartalszahlen. Das sollten in dem Fall alles Unternehmen sein, die überzeugen werden. Während Softing ja bereits ein paar Details preisgab, ist vom BVB ein sehr beeindruckendes 1.Quartal des neuen Geschäftsjahres zu erwarten. Die Vorstände von Ecotel und Muehlhan haben bereits nach dem 2.Quartal durchblicken lassen, dass die Jahresprognosen wohl am oberen Rand getroffen werden könnten. Daher ist nicht mit negativen Überraschungen zu rechnen. Ähnliches gilt für Technotrans, die bereits an diesem Freitag ihre Zahlen melden. Hier gab es mehrfach Insiderkäufe, die dafür sprechen, dass die bisher bekannten Prognosen auch mindestens erreicht werden dürften. Technotrans überzeugt mich vor allem durch einen guten Mix aus Einsparpotenzialen, verändertem Geschäftsmodell, niedrigem KBV und solider Dividendenrendite. 
Mit Grammer und Leoni habe ich zwei Automobilzulieferer, also zwei typische Zykliker, gering gewichtet. Das mag überraschen, aber ich halte beide Unternehmen für global gut aufgestellt und die Kursverluste der letzten Monate für übertrieben. Sollte Grammer seinen charttechnischen Widerstand bei 30,0-30,5 überwinden oder der Kurs auf 27,0-27,5 zurückfallen, würde ich die Position wieder stark aufstocken. Nächste Woche kommen auch dort Quartalszahlen, genau wie bei Leoni, die ich durch ein gering gehebeltes KO-Call-Zertifikat im wikifolio präsentiere. Mein hoch gewichteter Toppick IVU Traffic wird wohl erst mit dem Eigenkapitalforum seine Zahlen präsentieren. Diese dürften wenig ausschlaggebend sein, da bekanntlich der gesamte Jahresgewinn erst im 4.Quartal erwirtschaftet wird. Bei IVU könnte aber der Ausblick interessant werden, vielleicht auch etwas konkretere Aussagen zur Dividendenpolitik. Ich erwarte inklusive Sonderdividende mindestens 15 Cents pro Aktie Ausschüttung. Damit ist IVU hinsichtlich Dividendenrendite als auch cash bereinigtem KGV nach wie vor einer der günstigsten deutschen Nebenwerte. Für ein Unternehmen in einem Wachstumsmarkt weiterhin eine sehr attraktive Bewertung. Die anderen Depotwerte werden erst später ihre Zahlen melden. Dazu äußere ich mich dann wenn es soweit ist.

In der Statistiktabelle sind in den einzelnen Spalten immer die fünf günstigsten Bewertungen rot markiert. Geordnet habe ich die Werte dieses Mal nach dem cashbereinigten KGV für das kommende Geschäftsjahr. 



Kleine Info am Rande ... der Gesamtmarkt hat sich perfekt so aufgelöst wie ich es im letzten Update als eine der zwei Möglichkeiten dargestellt hatte. Schon erstaunlich wie ähnlich sich die Wochenkerzen im S&P und Dow Jones gegenüber dem Bild im Februar verhalten haben. Die eindrucksvolle Wochenkerze vor zwei Wochen war ein entsprechend stark bullishes Signal. Daher habe ich auch meine Short-Scheine in den Tagen danach wieder deutlich abgebaut. Die nächsten Tage stellt sich die Frage, wie ich die 10% Cashquote investiere, die sich durch den Verkauf von RIB ergeben hat.


Grüße